Agenturen 2.0
Dezember 17th, 2007In Hinblick auf die Gründung eines coworking spaces in Berlin habe ich mir in den letzten Monaten auch viele Gedanken gemacht über die Frage, wie die Agenturen der nächsten Generation funktionieren. Zusammengenommen lässt sich das Thema von vielen Seiten aufrollen. Ich möchte einmal kurz die verschiedenen Fachbereiche aufzählen und kurz anreißen, in denen man Hinweise finden kann, dass es in der Zukunft massive Änderungen auf Arbeitsweise und Form von klassischen Kommunikationsagenturen geben wird.
Der IBM Report “The end of Advertising as we know it” beschreibt zunächst die Umstrukturierung des Werbemarktes in den nächsten 5 Jahren und kommt zu dem Schluss, dass sich die Agenturen extrem anpassen müssen und an komplett neue Wertschöpfungsketten orientieren müssen um weiterhin erfolgreich zu wirtschaften. Hier wird eine Transformation beschrieben, die von der Nachfrageseite Druck ausübt und neue Produkte und vielleicht auch Arbeitsweisen einfordert.
Gleichzeitig gibt es den Themenkomplex Enterprise 2.0, wohl am besten dokumentiert durch den Namensgeber Andrew McAfee. Hier der Wiki-eintrag zum Fachbegriff. Im Grunde genommen dreht sich alles um die Frage, wie sich Social Software innerhalb der Unternehmen auswirken wird und wie Kollaboration und Wissensmanagement dadurch beflügelt wird. Nun stellt sich erstens die Frage, wie das die Kreativagenturen konkret integrieren (auch technisch) und zweitens, wie viel durchlässiger und verschwommener die äußeren Grenzen solcher Organisationen werden für die Außenwelt. Das es bereits heute den regen Einsatz von Freelancern gibt, die die Grenzen aufweichen, ist vielleicht nur der Anfang. Dieser ganze Themenkomplex handelt sozusagen von den Hubs, also den Agenturen. Ansprechpartner für Auftraggeber und Andockpunkt für Individuen und Dienstleister. Eine Art Meta-Akteursebene.
Gehen wir noch einen Ebene tiefer und schauen wir uns die Individuen an, betreten wir gleichzeitig (und momentan äußerst aktuell) gesellschafts-politischen Boden. Hier treffen nämlich die Bedürfnisse des Individuums nach Lebensqualität, Arbeitsumgebung, finanzieller Versorgung, etc.. auf eine Umwelt (und auch auf eine Gesellschaft) die in einem starken Wandel ist. Die Wissensarbeiter oder Kreativarbeiter werden technisch immer unabhängiger, Netzwerke machen es immer unnötiger, an eine übergeordneter Organisation alten Modells angedockt zu sein und es etablieren sich vielmehr Städte und Regionen als Kreative Hubs, als das es fest strukturierte Unternehmen oder Organisationen sind, die als Innovationsmotoren dienen.
Nimmt man diese drei Ebenen nun einmal auch nur flüchtig unter die Lupe, kommt einem meiner Meinung nach schnell der Gedanke, das es Agenturen, wie sie heute existieren, bald nicht mehr geben wird. Was sind die eindeutigen Vorteile einer Agentur heute? Warum beauftrage ich eine Werbeagentur mit einem Job?:
- Vertrauen: Ich habe möglicherweise Vertrauen in die Marke/Qualität der Agentur. Auf Grund von Referenzen gehe ich davon aus, dass die Agentur ihren Job gut macht.
- Produktionsmittel: Die Agentur besitzt die technische Austattung und die Erfahrung, damit umzugehen. Wenn ich einen Aufwändigen Werbespot produzieren lassen will, dann benötige ich eine Agentur, die die nötigen Ressourcen und das Know How vereint.
- Sozialer Hub/Sicherheit/Gewünschtheit: Als Mitarbeiter einer Agentur bin ich sozial abgesichert, habe Versorgungssicherheit und einen sozialen Integrationskanister in dem ich es mir gemütlich machen kann.
Da gibt es sicher noch einige weitere kleine Gründe, die ich in dem kurzen Flashlight hier vergessen habe, aber dennoch: Was davon brauche ich in einer ultravernetzten Welt mit immer billigeren Produktionsmitteln und der sozialen Integriertheit einer globalen Metropole noch? Werden nicht Agenturen ein Stück mehr zu Community Managern der globalen digitalen boheme, so wie es die Transformation im journalistischen Bereich bereits vorlebt?
An dieser Stelle ein kleines Entschuldigung für den hingeschmierten ARtikel mit pseudowissenschaftlichen Anspruch. Ich würde mich gerne mehr mit solchen Thematiken beschäftigen, es fehlt allerdings die Zeit.
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